Unser Atelier in Luzern

Einzigartiger Charme der Handarbeit

Im digitalen Zeitalter sind mechanische Uhren an sich schon ein Anachronismus – und zugleich das schönste Bekenntnis zu wahren Werten und der Hochachtung vor der Handwerkskunst im Besonderen. Kleinserien wie die Artist ́s Collection mit ihrer hohen Konzentration an aufwendigen Handwerkskünsten steigern dieses Bewusstsein noch.

Im eigens eingerichteten Atelier am Chronoswiss Hauptsitz in Luzern werden die tickenden Kostbarkeiten nach jahrhundertealten Handwerkstraditionen angefertigt. Bis das Werk einer solchen einzigartigen Uhr das erste Mal zu ticken beginnt, werden mehr als 60 Arbeitsschritte vergehen, von denen jeder einzelne äußerst anspruchsvoll ist.

Von Beginn bis zur Vollendung eines Zeitmessers aus der Artist ́s Collection im Luzerner Atelier kommen nur traditionelle Methoden und Arbeitsmittel zum Einsatz, die schon die Urgroßväter der heutigen Meister kannten. Darum gleicht keine Uhr exakt der anderen.

Zu den historischen Gerätschaften, die heute als echte Raritäten gelten, zählt unter anderem eine antike Rundzug-Guillochiermaschine aus dem Jahre 1924, die aus dem schweizerischen La-Chaux-des-Fonds stammt. Neben der Ausstattung ist auch die Besetzung der Atelierplätze eine Herausforderung – denn die Künstler, die heute überhaupt noch in der Lage sind, diese traditionellen Gewerke auszuüben, sind ähnlich rar wie die dafür benötigten Geräte. Ab Sommer 2014 haben Besucher die Möglichkeit, die anspruchsvollen Handwerkskünste hautnah mitzuerleben und den Uhrmachern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen.

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Guillochieren

Ein königliches Handwerk

Unter Guillochieren versteht man das Anbringen verschlungener geometrischer Figuren und Muster auf Metall. Diese anspruchsvolle Technik basiert auf dem königlichen Handwerk des Kunstdrechselns, das im 16. bis 18. Jahrhundert in Europa vorwiegend dem Hochadel vorbehalten war. Findige Uhrmacher entwickelten daraus hoch komplexe, nur durch Muskelkraft betriebene Guillochiermaschinen zur Bearbeitung von Zifferblättern und Gehäusen.

Das aufwändige Verfahren, das heute nur noch wenige beherrschen, bringt eine subtile Formensprache und zudem eine ungemeine gestalterische Vielfalt mit sich. Für das Anbringen neuer, aber dennoch klassischer Guilloches auf Gehäusen, Zifferblättern, Werken und Rotoren benutzen die Handwerkskünstler eine handbetriebene Rundzugguillochiermaschine, wie sie auch im Chronoswiss Atelier zu finden ist.

Der Guillocheur bewegt das Zifferblatt von Hand rund um den Stichel, welcher seine Muster dann von außen nach innen etwa einen Zehntelmillimeter tief auf das Zifferblatt schreibt. Die einzelnen Linien sind nur zwei Zehntelmillimeter
dünn, daraus entstehen filigrane Verzierungen. An winzigen Unregelmäßigkeiten erkennt der Fachmann die Handarbeit nach alter Tradition. Zifferblätter mit absolut gleichmäßiger Struktur lassen dagegen auf ein prägendes (automatisiertes) Herstellungsverfahren schließen. Bereits diese Veredelung ist ein erlesener Schmuck für ein Uhrenmodell, aber Chronoswiss geht für die Artist ́s Collection noch weiter: Das charakteristische guillochierte Wellenmuster erhält erst durch einen Überzug aus durchscheinender Emaille seine besondere Tiefe und Dreidimensionalität.

Emaillieren Glas in neuem Glanz

Im Prozess der Feuer-Emaille wird pulverisiertes Glas unter hohen Temperaturen auf Metall aufgeschmolzen, durch Hinzugabe von Metalloxiden sind auch Farben darstellbar. Diese jahrtausendealte Handwerkskunst wusste man bereits für Veredelungen im alten Ägypten zu schätzen. Seit der Erfindung der Taschenuhr wurde sie auch für Zifferblätter genutzt, aber schon bald durch das erheblich unkompliziertere und effizientere Verfahren der Lackierung ersetzt, da echte Emaillezifferblätter  aufgrund ihrer Glasbestandteile sehr empfindlich sind. Heute gelten sie zu recht als kostbare Rarität.

Das Verfahren der Feuer-Emaille ist extrem zeitaufwendig, da für ein ästhetisch perfektes Farbergebnis sieben Brenngänge in einem speziellen Emaille-Ofen notwendig sind. Jede Schicht ist weniger als ein Zehntelmillimeter dünn. Vor dem Auftragen des Emaille-Pulvers muss dieses erst mehrfach gespült werden, so dass eine klare, transparente Farbe entsteht.

Bis zu zwölf Waschungen braucht der Emailleur, bis alle Trübungen entfernt sind. Erst dann verrührt er das Pulver mit Wasser und bringt es sorgfältig auf das Zifferblatt auf. Allerdings ist auch dabei wieder Vorsicht geboten, damit beim Brennen keine Unebenheiten entstehen. Bei diesem anspruchsvollen Prozess ist die Ausschussquote sehr hoch, jeder Schaden irreparabel.

Für die Modelle der exklusiven Artist´s Collection müssen die emaillierten Blätter ihre schwerste Prüfung aber erst noch bestehen – wenn alle Schichten gebrannt sind und das Zifferblatt poliert wurde, wird es nochmals in die Guillochiermaschine eingespannt.

Hier zeigt sich die wahre Meisterschaft, denn in das hochempfindliche Emaille wird nun der Breguetfaden geschnitten – ein krönender Abschluss für diese besondere Uhrenlinie. Die Ausstrahlung und Schönheit der Farben, sowie der unvergleichliche edle Glanz echter Emaille machen die zeitintensive Fertigung wieder gut.

Skelettieren Die hohe Schule der Uhrmacherei

Die Kunst des Skelettierens von Werken entstand im 18. Jahrhundert als uhrmacherisches Spezialgebiet, das zunächst wieder in Vergessenheit geriet und erst in den 1930er Jahren eine neue Blütezeit erlebte. Hierbei geht es um eine kunstvolle Reduzierung des Uhrwerkes auf das Wesentliche, das „Skelett“.

Zunächst markieren die Meister dieses Faches die Umrisse des geplanten Skeletts mit einer Nadel. Nach dem Anbringen feiner Bohrungen entfernen sie das überflüssige Material mit einer Säge. Weitere Arbeitsschritte gelten dem Anglieren der Kanten im Winkel von 45 Grad sowie dem manuellen Gravieren und Guillochieren der Oberflächen. Merkmale meisterlicher Handarbeit sind nicht nur die präzise ausgearbeiteten Winkel, sondern auch die Kongruenz übereinander liegender Teile: Zum Zwecke eines weitgehend ungetrübten Durchblicks sollten sie möglichst deckungsgleich sein.

Die historischen Handaufzugswerke der Artist´s Collection stammen aus den 1970er Jahren und werden nach dem Skelettieren aufwändig dekoriert: Mit Goldschmiedesäge, Feile und viel Hingabe macht sich der Künstler ans Werk, außerdem werden Brücken wie Platinen noch durch Guilloche-Dekors veredelt und die Schrauben thermisch gebläut.

Besonders reizvoll zeigen sich die kostbaren Dekorationen am Werk durch den für alle klassischen Chronoswiss Uhren charakteristischen Glasboden – schwer zu sagen, ob Rück- oder Vorderseite die raffinierteren Einblicke bietet. Nur eines ist sicher: Egal von welcher Seite man die Modelle der Artist´s Collection bewundert – man sieht immer ein beeindruckendes Kunst(hand)werk.